← JournalPLACESBarcelona · El BornVol. 01 — 2026

Bon dia, Barcelona.

Eine Geschichte über Barcelona, über Nachbarschaft und darüber, wie Städte zu Lebensräumen werden.

TextSvetlana Valerie Gippert — Founder · Metropolitan

FRANKFURT · BARCELONA

  • Barcelona
  • El Born
  • Architecture
  • Interior
  • Neighbourhood
Das Apartment im El Born – zwischen historischer Substanz und neuem Leben.

Bon dia, Barcelona.

Es begann eigentlich ganz unspektakulär: mit einem Besuch bei einer Freundin in Barcelona. Ich war neugierig auf die Stadt – und schnell merkte ich, dass mich mehr interessierte als nur ihre berühmten Sehenswürdigkeiten.

Der erste Besuch blieb nicht der einzige. Barcelona ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Mit weiteren Aufenthalten begann ich, die Stadt immer genauer zu betrachten – ihre Architektur, ihre Materialien, die unterschiedlichen Viertel und vor allem die Art, wie Menschen dort leben und Räume gestalten.

Irgendwann entstand der Wunsch, dort selbst ein spannendes Projekt zu realisieren. Mit einem kleinen Apartment mitten im El Born nahm diese Idee schließlich konkrete Gestalt an.

Das Apartment lag in einem alten Haus, mit Blick auf einen ruhigen, von Pflanzen begrünten Patio – mitten in der historischen Altstadt und zugleich überraschend ruhig.

El Born verbindet historische Bausubstanz mit Kunst, Kreativität und urbanem Leben. Zwischen engen Gassen, kleinen Plätzen und jahrhundertealten Häusern liegen Galerien, Cafés, Werkstätte und kreative Shops.

Bevor das Apartment neu gestaltet wurde, gehörte es jahrzehntelang einem Pariser Ehepaar. Er war Musikjournalist, sie Stewardess. Barcelona war für sie vor allem ein Ort für Kunst, Musik und Konzerte.

Vieles von ihrem Leben war geblieben: Kunstbücher, französische Kochbücher, Opern- und Jazz-CDs, ein altes Telefon und ein CD-Player mit Radio.

Diese Spuren erzählten etwas über die Geschichte des Ortes und wurden zu einem Teil seiner Ausgangslage.

Das alte Telefon der vorherigen Eigentümer.
Ein altes Radio mit einer CD-Sammlung aus Oper und Jazz.
Enge historische Gasse im El Born.
Gassenleben im El Born.
Santa Maria del Mar im El Born.
Passeig del Born.
Kreative Shops prägen das Viertel.

Erst beobachten. Dann gestalten.

Je genauer ich Barcelona kennenlernte, desto stärker begann ich, die Stadt mit einem gestalterischen Blick zu betrachten: Architektur und Materialien, Wohnungen, kleine Shops und Möbelläden, Galerien und Werkstätten – und den Umgang mit historischer Bausubstanz.

Aus diesen Beobachtungen entwickelte sich das Gestaltungskonzept für das Apartment.

Die 3-D-Visualisierung übersetzte die ersten Ideen in ein konkretes räumliches Konzept und machte sichtbar, was zunächst nur als Idee vorhanden war. Während der Bauphase wurde sie für das gesamte Projektteam zu einem gemeinsamen Kompass.

Die Umsetzung brachte zugleich eigene Rahmenbedingungen mit sich. Nicht jedes Material war verfügbar, manche Lösungen mussten vor Ort angepasst werden. Auch Bauzeiten, Lärmschutz und Genehmigungen folgten anderen Regeln als in Deutschland.

Man plant anders, wartet manchmal länger und bleibt offen für Lösungen.

Mir ist wichtig, das, was einen Ort ausmacht, mit dem zu verbinden, was daraus werden kann. Mich interessiert, wie Veränderung gelingt, ohne das Wesentliche zu verlieren: Bestehendes verstehen, wertschätzen und respektieren – und zugleich den Mut haben, daraus etwas Neues zu entwickeln.

Galerie im Viertel.
Kunstmarkt im Viertel.

Katalanische Decken, alte Backsteine, aufgearbeitete Fenster.

Die katalanischen Decken waren unter einer dicken Schicht Putz verborgen. Auch die alten Backsteine waren zunächst nicht sichtbar. Schicht für Schicht wurde die ursprüngliche Substanz freigelegt und wieder Teil des Raumkonzepts.

Die Küche durfte bleiben, sollte aber moderner und minimalistischer werden, ohne ihren eigenen Charakter zu verlieren. Die Fronten bekamen eine neue Farbe, die Hochschränke machten Platz für eine beleuchtete Glasvitrine. Hinter der Küche wurden die alten Backsteine freigelegt und gezielt in Szene gesetzt.

Eine alte Kommode bekam eine neue Aufgabe. Aus ihr wurde ein großzügiger Waschtischunterschrank. Außen blieb ihre ursprüngliche Patina erhalten, innen überrascht ein intensives, tiefes Blau mit klaren Glasböden und integrierter Beleuchtung. Ergänzt wurde der Waschtisch durch einen großen Spiegel mit indirektem Licht. Die zuvor enge Duschkabine wich einer großzügigen Duschoase.

Auch historische Materialien wurden gezielt integriert: restaurierte Türen aus einer traditionellen, auf alte Materialien spezialisierten Schreinerei ebenso wie alte Fenster, die als dekorative Elemente eingesetzt wurden.

Ergänzt wurde die historische Substanz durch weitere zeitgenössische Elemente: moderne Beleuchtung, ein großes, komfortables Bett, Kunst und funktionaler Stauraum.

Aufgearbeitete Kommode als Waschtisch
Die aufgearbeitete Kommode als großzügiger Waschtischunterschrank.
Küche mit freigelegter Backsteinwand
Küche mit freigelegter Backsteinwand und beleuchteter Glasvitrine.
Katalanische Deckenkonstruktion mit sichtbaren Holzbalken.
Blick durch die aufgearbeiteten Flügeltüren in das Schlafzimmer.

Das Projektteam.

Die Umsetzung erforderte unterschiedliche Kompetenzen und ein belastbares Netzwerk vor Ort.

Lokale Handwerksbetriebe, spezialisierte Werkstätten und Händler brachten ihr Wissen über Materialien, traditionelle Techniken und die Besonderheiten historischer Gebäude ein.

Für die großformatigen Spiegel arbeitete das Projektteam mit einer traditionsreichen Glaserei zusammen. Restaurierte Türen kamen aus einer spezialisierten Schreinerei. Weitere lokale Partner unterstützten bei der Beschaffung geeigneter Materialien und ausgewählter Einzelstücke.

Die gestalterischen Entscheidungen, die Abstimmung im Team und die Umsetzung vor Ort liefen dabei eng zusammen.

Das lokale Netzwerk war ein wesentlicher Bestandteil der Realisierung.

Aufgearbeitete Türen in der Schreinerei.
Historische Bodenfliesen, sorgfältig geborgen und sortiert.
Altes Holz und historische Türen.

Altes bekommt einen neuen Kontext.

Ein gutes Beispiel dafür ist ein alter Bilderrahmen, der über einen lokalen Händler gefunden wurde. Der Rahmen wurde aufgearbeitet und mit einem zeitgenössischen Bild aus einer Galerie im Viertel kombiniert.

Das historische Objekt und die moderne Arbeit könnten unterschiedlicher kaum sein. Gerade dieser Kontrast gibt beiden ihre Wirkung.

Entscheidend ist nicht allein, was erhalten bleibt, sondern welchen neuen Kontext es bekommt.

Auch eine alte Tischlampe wurde aufgearbeitet und neu inszeniert. Aus dem ursprünglichen Objekt entstand ein eigenständiges Gestaltungselement, das durch Farbe, Material und Licht eine ganz neue Wirkung erhält.

Aufgearbeiteter Bilderrahmen mit zeitgenössischem Werk.
Die aufgearbeitete Tischlampe als eigenständiges Gestaltungselement.
Wohnraum des Apartments im El Born
Blick durch den Wohnraum – historische Substanz und zeitgenössische Elemente im Dialog.
Panorama von Barcelona
Barcelona-Panorama.

Vielleicht ist das die eigentliche Geschichte dieses Projekts: Ein Ort entsteht nicht nur durch Architektur und Gestaltung. Er entsteht durch das Zusammenspiel von Bestand, neuen Ideen und den Menschen, die sie gemeinsam umsetzen.

Welche Geschichte wird der nächste Ort erzählen?

Bon dia, Barcelona.

Svetlana Valerie GippertAutor:in

Svetlana Valerie Gippert

Founder · Metropolitan

FRANKFURT · BARCELONA

Gründerin von Meet Metropolitan. Über zwei Jahrzehnte Erfahrung im Aufbau professioneller Communities, Mentoring-Programme und Netzwerke.